Freitag, 5. Oktober 2012

Königsfeld City


Schon ein Monat hier, die Zeit ist wirklich wie im Flug vergangen! Lieb gewonnener Alltag, eine lieb gewonnene Zivi Bude und natürlich Menschen, die man schon langsam kennt und immer mehr mag :) Thomas´ Dienst neigt sich dem Ende zu, bald bin ich auf mich "allein gestellt", was natürlich nicht stimmt, weil es hier jede Menge Leute gibt, die einem ohne zu zögern helfen und zu denen man immer gehen kann, wenn man ein Problem hat. Aber die stell ich ein anderes Mal vor, heute ist mal das Dorf Königsfeld dran:

Kurz zur Geschichte: 1800irgendwas hat Maria Theresia einige Einwohner des Salzkammergutes (zwangs-)ausgesiedelt, um die Holzwirtschaft in den Transkarpaten, die ja damals zu Österreich gehörten, effektiver zu machen. Im März sind sie losgegangen, im Oktober hier angekommen, woraufhin dann gleich mal die Hälfte im ukrainischen Winter erfroren ist, weil ihnen niemand gezeigt hat, wie man Hütten baut. (Für geschichtliche Richtigkeit übernehme ich keine Verantwortung, das erzählt man sich hier so. Wer Genaueres und Korrekteres wissen will schaut auf www.landlerhilfe.at, die Website unserer Organisation, die auch ansonsten sehr zu empfehlen ist.)
Diese ausgesiedelten Familien haben dann das Dorf Deutsch Mokra gegründet, und später aufgrund des Kinderreichtums weiter flussabwärts auch noch Königsfeld. Heute gibt es hier nur noch wenige deutschsprachige Familien, und diese können meist kein Hochdeutsch, sondern einen alten Dialekt, der hier sozusagen konserviert wurde.

Das Dorf war wegen seiner absolut genialen Lage und der schönen Landschaft im Kommunismus ein beliebter Urlaubsort, aus ganz Russland ist man hierher gekommen, zum Schifahren und Wandern. Es gibt ein großes Hotel, das allerdings seit Jahren leersteht. Denn nach der Wende 1989 ist die funktionierende Wirtschaft zusammengebrochen, es gibt seitdem kaum Arbeit, keine Perspektiven für die Jugend und dementsprechend viele Alkoholiker. 
1998 und 2001 gab es auch noch gewaltige Hochwasser, die die Straßen zerstört haben und die Zugstrecke mitgerissen haben. Seither ist Infrastruktur hier ein Fremdwort. (Das wars zwar vorher auch schon, aber ihr wisst was ich mein...)

Königsfeld liegt wie bereits erwähnt in einem engen Tal, beidseitig recht hohe Berge und eine Natur, die in der Ukraine ihresgleichen sucht. Der Ort ist sehr langgezogen, die Häuser sind fast alle an der Hauptstraße, in die Breite geht es fast nie.

Es gibt ein Dorfzentrum mit drei Geschäften, sogenannten Magazins. Die haben 7 Tage die Woche geöffnet. Am Dorfplatz wird einmal die Woche ein kleiner Markt abgehalten.

Dorfzentrum


Geschäft "Zentrum"

orthodoxe Kirche

deutsche katholische Kirche

Das ehemalige kommunistische Zentrum, das heute als Altenheim dient. Das Schicksal geht seltsame Wege...

Hauptstraße nahe Zentrum



Noch eine bezeichnende Besonderheit zum Schluss: Das ukrainische Wort für "langsam" hab ich bereits in der ersten Woche gelernt, aber "schnell" kann ich mir einfach nicht merken...



 
                   

1 Kommentar:

  1. Jetzt kann ich mir ein Bild machen - danke für die interessante Geschichte und die schönen Fotos!!! Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen:-)))Alles Liebe dir und ein schönes Wochenende!!!

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